Nachhaltigkeit im Hohenwart: Kleine Dinge, die viel bewirken
Erfolgreiches GSTC-Reaudit und verlängertes Sustainable South Tyrol Level 3
Nachhaltigkeit zeigt sich selten in einem einzigen großen Schritt. Meist steckt sie in vielen Entscheidungen, die jeden Tag aufs Neue getroffen werden. Im Technikraum und in der Küche. Beim Einkauf, bei der Zimmerreinigung und im Garten. In der Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben und in der Frage, wie Gäste anreisen oder sich während ihres Urlaubs fortbewegen.
Am 27. und 28. Mai 2026 wurde unsere Nachhaltigkeitsarbeit erneut von der unabhängigen Zertifizierungsstelle Vireo nach den Kriterien des Global Sustainable Tourism Council geprüft. Das Audit wurde ohne Nonkonformitäten und ohne zusätzliche Empfehlungen abgeschlossen. Unser Nachhaltigkeitslabel Südtirol in der höchsten Stufe, dem Sustainable South Tyrol Level 3, wurde somit verlängert.
Darüber freuen wir uns sehr. Vor allem verstehen wir das Ergebnis aber als Bestätigung dafür, dass Nachhaltigkeit im Hohenwart nicht nur auf dem Papier steht. Sie ist Teil unseres täglichen Handelns.
Eine Bestätigung, kein Endpunkt
Seit 2023 tragen wir das Nachhaltigkeitslabel Südtirol, seit 2025 sind wir mit Level 3 nach den international anerkannten GSTC-Kriterien zertifiziert. Dass das diesjährige Audit ohne Abweichungen und ohne Empfehlungen abgeschlossen wurde, ist eine schöne Anerkennung für das gesamte Hohenwart-Team. Zugleich wissen wir: Nachhaltigkeit ist kein Projekt, das irgendwann abgeschlossen ist. Das nächste Audit findet 2027 statt. Unsere Arbeit geht jeden Tag weiter.
Kleine Dinge, die viel bewirken
Die Grundlage bilden langfristige Investitionen und größere Systeme: drei Blockheizkraftwerke, eine Photovoltaikanlage mit 87 kWp, Südtiroler Ökostrom und eine intelligente Gebäudesteuerung, die Strom, Wärme, Kühlung, Beleuchtung und technische Anlagen überwacht. Vier unterirdische Tanks sammeln Regenwasser für die Bewässerung unseres Gartens. EU-Ecolabel-zertifizierte Wasch- und Reinigungsmittel, wiederbefüllbare Systeme und mechanische Reinigungsmethoden reduzieren Verpackungen und unnötige Transporte.
Ihre Wirkung entfalten diese Maßnahmen aber erst im täglichen Betrieb.
Unser Garten wird nachts bewässert, wenn weniger Wasser verdunstet. Nach ausgiebigen Regenfällen bleibt die Bewässerung ausgeschaltet. Giuseppe kontrolliert und justiert das System regelmäßig, damit Wassermenge und Bewässerungszeiten zum saisonalen und klimatischen Bedarf der Pflanzen passen.
Wenn die Zimmerkarte beim Verlassen des Zimmers mitgenommen wird, erkennt unsere Haustechnik, dass niemand anwesend ist. In den Häusern Christine und Traube wird die automatische Beschattung aktiviert, damit die Räume während der heißen Stunden angenehm kühl bleiben. Wenn ein tropfender Wasserhahn oder eine ungewöhnlich starke Kühlung gemeldet wird, können wir reagieren, bevor unnötiger Verbrauch entsteht.
Auch Abfall wird bei uns nicht nur getrennt, sondern gewogen und dokumentiert. Janos und Christian erfassen die Müllbehälter vor der Entleerung. So können wir nachvollziehen, wie viel Bio- und Restmüll entsteht und gezielt nachbessern.
Es sind kleine Abläufe. In ihrer Summe machen sie jedoch einen spürbaren Unterschied.
Messen, um besser zu werden
Seit 2022 analysieren wir jährlich unseren ökologischen Fußabdruck. Die Ergebnisse für 2025 zeigen, dass unsere Maßnahmen wirken: Gegenüber dem Vorjahr sank der Energieverbrauch pro Übernachtung um 7,5 Prozent, der Trinkwasserverbrauch um 2 Prozent und der CO₂-e-Wert aus Scope 1 und 2 um 7,7 Prozent auf 9,8 Kilogramm pro Übernachtung.
Darüber hinaus erfassen wir unter anderem die Anreise unserer Gäste, die Wege unseres Teams, Lebensmittel, externe Wäscherei und Abfallmengen. An der Rezeption wird deshalb bei jedem Aufenthalt das verwendete Verkehrsmittel dokumentiert. So entsteht eine verlässliche Datengrundlage für unsere nächsten Schritte.
Nachhaltigkeit ist Teamarbeit
Ein Zertifikat kann von außen geprüft werden. Leben kann es nur ein ganzes Team.
Unser Greenteam bringt unterschiedliche Fachbereiche zusammen. Franz kümmert sich um Strategie, Zertifizierung und CO₂-Bilanz, Laura koordiniert Maßnahmen, Reporting und Kommunikation. Frau Gerti verantwortet Einkauf und Lieferketten, Frau Christine Garten, Etage und Wäscherei, Herr Mair Technik und Ressourcensteuerung und Frau Gabi sorgt für die notwendige Rechtssicherheit und verwaltet zentrale Unterlagen.
Umgesetzt wird Nachhaltigkeit jedoch von allen Abteilungen. Teamleiterinnen und Teamleiter prüfen neue Lösungen im Arbeitsalltag und entwickeln die Standards gemeinsam mit ihren Teams weiter. So wurden umweltfreundlichere Reinigungsmittel zunächst von den verantwortlichen Abteilungen auf ihre Praxistauglichkeit geprüft. In der Etage regeln klare Standards den Einsatz von Wasser und Reinigungsmitteln sowie die Mülltrennung. Im Service achtet unser Sommelier Peter darauf, neben bekannten Namen auch kleinere Südtiroler Weingüter zu berücksichtigen und ihnen Sichtbarkeit zu geben.
Unsere Einkaufsgrundsätze geben allen Bereichen Orientierung. Neben Preis und Funktion berücksichtigen sie auch Herkunft, Langlebigkeit, Reparaturfähigkeit, Verpackung, Ressourcenverbrauch und soziale Standards. Das gilt für Küche, Service, Beauty, Housekeeping, Etage, Büro, Marketing, Technik und Bau.
Auch unsere rund 60 wichtigsten Lieferbetriebe haben eine kompakte Fassung erhalten und uns ihre eigenen Nachhaltigkeitskonzepte vorgestellt. Daraus entsteht ein Austausch, der über einzelne Bestellungen hinausgeht und beide Seiten zum Weiterdenken anregt.
Was gut ist, soll weiterwirken
Nachhaltigkeit zeigt sich auch darin, wie lange Dinge genutzt werden und was mit ihnen geschieht, wenn sie nicht mehr in das aktuelle Hotelkonzept passen.
Viele Möbel finden nach einem Umbau im Teamhaus einen neuen Verwendungszweck. Andere werden für soziale Zwecke weitergegeben. Im vergangenen Jahr haben wir gut erhaltene Möbel an das Seniorenwohnheim Eden in Meran gespendet. Dort verschönern sie heute den Pausenbereich und schenken den Mitarbeitenden einen Ort zum Durchatmen und Entspannen.
Besonders sichtbar wird dieser Gedanke in den neuen Juniorsuiten Labers. Die rund 30 Jahre alten Vollholzmöbel sind hochwertig gearbeitet und gehören zu einem Einrichtungsstil, den viele unserer Gäste seit Jahren schätzen. Gerade Familien verbinden mit diesen Zimmern vertraute Urlaubserinnerungen.
Unser langjähriger Tischlereipartner Brida hat die Möbel sorgfältig ausgebaut, abgeschliffen, teilweise neu lackiert und anschließend wieder eingebaut. Dieser Weg war aufwendiger und kostspieliger, als die gesamte Einrichtung abzureißen und neu anzufertigen. Trotzdem war er für uns der richtige. Die Möbel waren zu wertvoll zum Wegwerfen und die Zimmer zu sehr Teil der Geschichte unseres Hauses, um alles Vertraute verschwinden zu lassen.
So bedeutet Weiterentwicklung im Hohenwart nicht automatisch, bei null zu beginnen.
Regionale Kreisläufe und gelebte Kultur
Regionale Kulinarik bedeutet für uns, Herkunft sichtbar und Beziehungen lebendig zu halten. In unserer Küche arbeiten wir, wo immer möglich, mit saisonalen Zutaten und regionalen Partnerbetrieben. Lammfleisch stammt vom eigenen Bergbauernhof Gsteier, Kräuter aus dem Hotelgarten. Säfte, Sirupe, Chutneys, Kompotte und viele weitere Produkte werden im Haus hergestellt. 80 Prozent unserer Weinkarte stammen aus Südtirol.
Regionale Nachhaltigkeit endet für uns aber nicht beim Lebensmittel. Sie bedeutet ebenso, Kultur, Handwerk, Wissen und Geschichten sichtbar zu halten.
Wir laden regelmäßig Südtiroler Produzentinnen und Produzenten ins Hohenwart ein, darunter Weingüter, Destillerien, Gin-Produzenten, Schokoladenmanufakturen und Speckhersteller. Bei Verkostungen erzählen sie selbst von ihren Produkten und ihrer Arbeit. Zu anderen Gelegenheiten besuchen wir gemeinsam mit unseren Gästen Höfe, Kellereien und Produktionsstätten.
Geführte kulturhistorische Spaziergänge durch Meran, Bozen oder in diesem Jahr durch Salurn vermitteln die Geschichte Südtirols dort, wo sie entstanden ist. Auch über Bräuche und Traditionen möchten wir nicht nur informieren, sondern authentisch erzählen, warum sie für unsere Region und für uns Bedeutung haben.
2025 waren im Hohenwart Werke der Schenner Künstlerin Judith Klotzner zu sehen und eine Autorenlesung zu erleben. 2026 geben wir mit weiteren Lesungen Südtiroler Autorinnen und Autoren sowie einer Ausstellung des lokalen Labels Rockverliebt erneut regionalen Stimmen und Ideen Raum. Die Formate wechseln. Der Gedanke dahinter bleibt.
Unsere Gäste sind Teil dieses Weges
Ein nachhaltiger Urlaub in Südtirol soll nicht nach Verzicht klingen. Deshalb informieren wir in der Tagespost und im digitalen Guestnet über Energie, Wasser, Kulinarik, Mobilität, soziale Verantwortung und regionale Kultur. Unter dem Titel „Kleine Dinge, die viel bewirken“ geben wir praktische Anregungen, wie Gäste uns freiwillig unterstützen können: etwa mit Schenner Quellwasser, dem Südtirol Guest Pass oder dem Verzicht auf eine tägliche Zimmerreinigung.
Auch die umweltfreundliche Anreise nach Südtirol möchten wir erleichtern. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt, erhält einen Wellnessgutschein im Wert von 40 Euro und wird kostenlos am Bahnhof Meran abgeholt. Vor Ort stehen öffentliche Verkehrsmittel, Wander- und Veranstaltungsshuttles, Leihfahrräder und E-Mountainbikes zur Verfügung.
Ebenso wichtig ist uns das Zuhören. Zwischen dem 26. März 2025 und dem 21. Mai 2026 nannten 474 Gäste in unserem Post-Stay-Fragebogen besonders häufig den bewussten Umgang mit Ressourcen, den Schutz der natürlichen Landschaft und eine ehrliche Kommunikation. Von 430 Gästen bewerteten 97,7 Prozent unsere Nachhaltigkeitsarbeit mit vier oder fünf von fünf Punkten. Der Durchschnitt lag bei 4,68 Punkten.
Das freut uns sehr. Mindestens ebenso wichtig sind uns jedoch die konkreten Hinweise. Manche Gäste wünschen sich mehr Einblick in Energieversorgung, Lebensmitteleinkauf, Tierwohl oder den Umgang mit Lebensmittelresten. Andere regen noch konsequentere Handtuchregelungen an.
Solche Rückmeldungen helfen uns. Denn ehrliche Kommunikation bedeutet nicht nur zu erzählen, was bereits gut funktioniert. Sie bedeutet auch, Fragen ernst zu nehmen und sichtbar zu machen, woran wir weiterarbeiten.
Was 2026 neu ist
Neben dem Upcycling der Juniorsuiten Labers sind 2026 zwei neue elektrische Fahrzeuge hinzugekommen. Der Mercedes Citan wird vor allem im Housekeeping eingesetzt. Der elektrische Mercedes Bus bringt Gäste zu Wanderungen, übernimmt Bahnhofstransfers und steht gemeinsam mit dem Audi e-tron auch für die Ausleihe zur Verfügung. Mit acht Sitzplätzen ist der Bus besonders praktisch für Familien.
Im Alltag schärfen wir unsere Standards mit EU-Ecolabel-zertifizierten Wasch- und Reinigungsmitteln sowie den neuen Einkaufsgrundsätzen für alle Abteilungen und unsere wichtigsten Lieferbetriebe.
Beim geplanten Umbau des Stammhauses entstehen zudem rollstuhlgerechte Zimmer. Denn soziale Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch, Barrieren Schritt für Schritt abzubauen und mehr Menschen einen möglichst selbstbestimmten Urlaub zu ermöglichen.
Ein Weg, der weitergeht
Das verlängerte Sustainable South Tyrol Level 3 ist für uns eine wertvolle Bestätigung. Noch wichtiger ist jedoch das, was zwischen zwei Audits geschieht.
Es sind die technischen Systeme, die im Hintergrund arbeiten. Giuseppe, der die Bewässerung an Wetter und Jahreszeit anpasst. Janos und Christian, die unsere Abfallmengen erfassen. Die Teamleiterin, die eine Einkaufsentscheidung nochmals prüft. Die Mitarbeiterin der Etage, die einen unnötigen Wäschewechsel vermeidet. Der Sommelier, der einem kleinen Südtiroler Weingut einen Platz auf unserer Karte gibt. Die Rezeptionistin, die eine Bahnanreise dokumentiert. Und der Gast, der Quellwasser trinkt oder uns eine kritische Rückmeldung hinterlässt.
Große Veränderungen beginnen nicht immer mit großen Gesten. Oft entstehen sie aus vielen kleinen Entscheidungen, die von vielen Menschen mitgetragen werden.
Denn ein Ort, der bleibt, lebt auch von der Verantwortung, mit der wir ihn jeden Tag gestalten.