Sonnenuntergänge im Meraner Land: unsere 5 Lieblingsplätze im Herbst

Ein Sonnenuntergang in den Bergen ist für viele Reisende ein Sehnsuchtsmoment. Im Herbst hat dieses Schauspiel im Meraner Land noch einmal eine ganz eigene Kraft. Die Sonne steht tiefer, Weinberge, Schlossmauern und Bergflanken leuchten in kräftigem Orange, und die Konturen der Gipfel zeichnen sich klar gegen den Abendhimmel ab.

Manchmal entstehen dabei besonders eigenwillige Stimmungen. Bei einer Inversionswetterlage kann sich Nebel oder Dunst im Tal sammeln, während die höher gelegenen Hänge und Berggipfel bereits im klaren Licht liegen. Unten verschwimmen die Konturen, während Schenna und die darüberliegenden Hänge unter einem klaren Himmel liegen.

Im Herbst findet der Sonnenuntergang zudem wieder zu einer angenehmen Zeit statt. So lässt sich der Ausflug gut vor dem Abendessen einplanen und dauert nicht bis spät in die Nacht.

Was trotzdem nicht fehlen darf: festes Schuhwerk, eine Stirnlampe und eine zusätzliche warme Jacke. Und etwas, das wir Ihnen besonders ans Herz legen möchten: eine Thermoskanne mit warmem Tee. Denn sobald die Sonne hinter den Bergen verschwunden ist, wird die Luft schnell frisch.

Das sind unsere fünf Lieblingsplätze für Sonnenuntergänge rund um Schenna und Meran.

1. Bellavista-Terrasse: wenn die Sonne ins “Stoaßloch” fällt

 

Manchmal liegt der schönste Aussichtspunkt direkt vor einem. Von unserer Bellavista-Terrasse blickt man über Meran, das Etschtal und den westlichen Berghorizont. Im Herbst lässt sich hier ein besonderes Schauspiel beobachten: Abend für Abend nähert sich die Sonne dem sogenannten “Stoaßloch”, einer markanten Bergscheide zwischen dem Vigiljoch und dem Eingang ins Vinschgau.

Im Frühjahr hat die Stellung der Sonne für die bäuerliche Bevölkerung in Schenna eine besondere Bedeutung. Sie diente als eine Art natürlicher Kalender und zeigte an, dass bestimmte Arbeiten im Jahreslauf beginnen konnten. Im Herbst wiederholt sich das Phänomen. Vielleicht ist es zu dieser Jahreszeit volkskulturell weniger bedeutsam. Das Schauspiel ist dafür aber umso schöner.

Über mehrere Abende scheint die Sonne direkt in der Bergscheide zu verschwinden. 

Unser Lieblingsplatz für: Genussmenschen und alle, die bis zum letzten Licht sitzen bleiben möchten.

2. Schloss- und Kirchhügel in Schenna: ein kurzer Abendspaziergang

 

Vom Hohenwart aus erreicht man das Dorfzentrum von Schenna mit einem kurzen Spaziergang. Dort liegen Schloss, Mausoleum und Kirchhügel nah beieinander. Jedes dieser drei Schenner Wahrzeichen gibt jedoch einen etwas anderen Ausblick frei.

Im Herbst liegt zwischen den historischen Mauern bereits gefallenes Laub. Die Bäume tragen noch Gelb, Rostrot und dunkles Grün, während das letzte Licht leuchtend orange über den Dächern von Schenna strahlt. Wenn die Sonne hinter dem westlichen Berghorizont verschwindet, zeichnen sich Schloss und Mausoleum dunkel gegen den Abendhimmel ab. 

Hier kann man sich auf einer Bank niederlassen, einen Moment sitzen bleiben und in Ruhe die vorabendliche Stimmung genießen. 

Unser Lieblingsplatz für: einen spontanen Spaziergang vor dem Abendessen.

3. Pulverturm und Tappeinerweg: Meran in der blauen Stunde

 

Der Pulverturm liegt oberhalb der Meraner Altstadt am Beginn des Tappeinerwegs. Von dort reicht der Blick über die Dächer von Meran, das Etschtal und das Burggrafenamt. Hier ist die blaue Stunde besonders stimmungsvoll: Über den Bergen liegt noch ein Rest Farbe, während in der Stadt bereits Straßenlaternen, Häuser und das Kurhaus zu leuchten beginnen.

Von der Gilfpromenade führen Serpentinen hinauf zum Pulverturm. Über eine Treppe erreichen Sie schließlich die Aussichtsplattform.

Meran erreichen Sie vom Hohenwart aus mit der Buslinie 231 oder bei einem rund 50-minütigen Spaziergang. So lässt sich der Sonnenuntergang gut mit einem Bummel durch Meran verbinden. Nach Einbruch der Dunkelheit fahren Sie bequem mit dem Linienbus zurück nach Schenna.

Unser Lieblingsplatz für: Stadtliebhaber, Spaziergänger und alle, die die blaue Stunde genauso gerne mögen wie den Sonnenuntergang.

4. Knottnkino: wenn die Landschaft zum Film wird

 

Auf dem Rotstein Knott bei Vöran hat der Südtiroler Künstler Franz Messner 30 Sessel aus Stahl und Kastanienholz aufgestellt und damit eine natürliche Aussichtsplattform in ein Freilichtkino verwandelt. Die Aussicht reicht über das gesamte Etschtal: von der Texelgruppe über Penegal und Gantkofel bis zum Weißhorn. Das Kinoprogramm wechselt mit dem Wetter, dem Licht und den Jahreszeiten.

Obwohl das Knottenkino zu jeder Tages- und Jahreszeit sehenswert ist, ist ein Sonnenuntergang im Herbst besonder eindrucksvoll, wenn die roten Porphyrfelsen im warmen Abendlicht leuchten. Nehmen Sie sich gerne ausreichend Zeit für einen Besuch, lassen Sie sich in einem der Sessel nieder und genießen Sie einen warmen Tee aus der Thermoskanne.

Nach dem Sonnenuntergang führt der Rückweg jedoch teilweise durch den dunklen Wald. Eine Stirnlampe gehört deshalb unbedingt in den Rucksack.

Unser Lieblingsplatz für: Wanderer, Fotografen und alle, die beim Sonnenuntergang gerne in der ersten Reihe sitzen.

5. Stoanerne Mandln: Abendlicht an einem sagenumwobenen Ort

 

Zugegeben: Dieser Sonnenuntergang muss verdient werden.

Die Stoanernen Mandln stehen auf der Hohen Reisch, einer 2.003 Meter hohen Bergkuppe auf dem Tschögglberg zwischen Etschtal und Sarntal. Sie sind über eine längere, mittelschwere Wanderung erreichbar. Wer den Aufstieg wagt, wird mit einem scheinbar grenzenlosen Rundumblick belohnt.

Rund 100 große und kleine Steinfiguren verteilen sich über den offenen Bergrücken. Wer die mystische Simmung mit den eigenen Augen gesehen hat, glaubt sofort, dass sich um die Steinfiguren bis heute Geschichten von Hexentänzen und geheimnisvollen Zeremonien ranken. Wenn die Steine im Abendlicht rötlich aufleuchten, ist es leicht zu verstehen, warum dieser Ort seit jeher die Fantasie der Menschen beschäftigt. 

Unser Lieblingsplatz für: sehr erfahrene Wanderer auf der Suche nach Weite, Stille und einem besonderen Kraftplatz.

Essentielle Ausrüstung

 

Wer den Sonnenuntergang in den Bergen erlebt, kehrt im Dunkeln zurück. Eine Stirnlampe mit geladenem Akku, festes Schuhwerk und eine zusätzliche warme Jacke gehören deshalb immer dazu. Auch das Mobiltelefon sollte ausreichend geladen sein. Bei anspruchsvolleren Touren empfiehlt sich zusätzlich eine Powerbank. Genauso wichtig wie eine gute Ausrüstung ist das Prüfen der Wettervorhersage für den jeweiligen Wandertag.

Von der roségoldenen Stunde zum Abendrot

 

Ob von der Bellavista-Terrasse, vom Schlosshügel, über den Dächern Merans oder weit oben zwischen Felsen und Steinfiguren: Im Herbst sind die Tage zwar kürzer, doch gerade das frühe Abendrot hat seinen besonderen Reiz.

Die Sonne verschwindet hinter den Bergen, die Luft wird kühler und im Tal gehen die ersten Lichter an. Danach wartet die Rückkehr ins Warme.