Digital Detox in Südtirol: Wenn das Handy plötzlich zur Nebensache wird
Am Pool ein schattiger Platz, das Buch ist längst aufgeschlagen. Nach einigen Seiten neigt der Blick für einen Augenblick zufällig zum Wasser. Ein paar Gäste ziehen ihre Bahnen, andere unterhalten sich leise, irgendwo klirrt ein Glas. Die Sonne bewegt sich langsam über den Garten, Wolken ziehen einmal auf und ziehen dann weiter.
Erst viel später fällt auf, dass einige Stunden vergangen sind. Keine Nachricht wurde gelesen, kein Bild aufgenommen, nichts geteilt. Gefehlt hat trotzdem nichts.
Das Handy liegt im Zimmer, weil gerade jetzt das wirkliche Leben interessanter ist als der Bildschirm.
Eine Pause von der digitalen Welt
Digital Detox klingt zunächst nach konsequentem Abschalten. Nach Flugmodus, Unerreichbarkeit und dem festen Vorsatz, das Smartphone möglichst lange nicht anzusehen. Doch ein bewusster Umgang mit digitalen Medien muss nicht radikal sein, um gutzutun. Studien deuten darauf hin, dass zeitweise reduzierte Smartphone- und Social-Media-Nutzung Aufmerksamkeit, Wohlbefinden, Schlaf und persönliche Kontakte unterstützen kann. Die Zusammenhänge sind komplex. Weniger Bildschirmzeit allein macht deshalb noch keinen erholsamen Urlaub.
Entscheidend ist, was an die Stelle des Bildschirms tritt.
Im Hohenwart muss niemand offline sein. Es gibt kein Handyverbot und keinen Grund, sich für einen Blick auf das Display rechtfertigen zu müssen. Vielmehr entstehen im Laufe eines Urlaubstages immer wieder Augenblicke, in denen das Telefon von selbst zur Nebensache wird. Weil gerade etwas anderes die Aufmerksamkeit verdient.
Wieder ganz im eigenen Moment
Im Alltag ist Aufmerksamkeit oft auf viele Dinge gleichzeitig verteilt. Eine Nachricht erscheint, während die nächste Aufgabe noch nicht abgeschlossen ist. Gedanken springen zwischen Terminen, Gesprächen und offenen Fenstern. Im Urlaub darf die Zeit einmal anders ticken: langsamer.
Beim Yoga richtet sich die Aufmerksamkeit auf Atem und Bewegung. Für eine Weile zählt nicht, was als Nächstes erledigt werden muss, sondern wie sich eine Haltung im Moment anfühlt. In der Sauna darf Ruhe einkehren, beim Schweben im Solebecken auf der Dachterrasse des VistaSpa wird der Körper vom Wasser getragen, während der Blick über Schenna und die Berge wandert.
Eine Behandlung schafft einen ähnlich geschützten Zeitraum. Besonders leicht lässt sich das Zeitgefühl bei einer Lomi Lomi Nui für 75 Minuten vergessen. Langsame, sanfte Berührungen und fließende Streichbewegungen lassen kaum Raum für die Frage, wie spät es ist oder was inzwischen im Posteingang wartet. Man muss nichts entscheiden, nichts beantworten und für eine Weile auch nichts leisten.
Manchmal braucht es aber nicht einmal ein Ritual. Ein Saunagang, einige ruhige Bahnen im Pool oder ein Platz im Garten können genügen. Aufmerksamkeit bedeutet dann nicht, sich besonders konzentrieren zu müssen. Es bedeutet, wieder ganz dort zu sein, wo man gerade ist.
Ein Buch, das schon auf dem Zimmer wartet
Auch Lesen ist eine Form ungeteilter Aufmerksamkeit. Während auf einem Bildschirm schon die nächste Nachricht, ein Link oder ein Hinweis um Beachtung bittet, bleibt ein Buch bei einer Geschichte.
Frau Christine, Gastgeberin im Hohenwart, liest leidenschaftlich gern. Im Haus hat sie eine eigene Bibliothek eingerichtet, aus der sich unsere Gäste Bücher ausleihen können. Für jede neue Saison stellt sie außerdem eine persönliche Leseliste aus ihren Lieblingsbüchern zusammen. Darunter finden sich immer wieder Werke von Südtiroler Autorinnen und Autoren, die den Blick auf das Land um literarische Perspektiven erweitern.
Wer möchte, kann bereits vor der Anreise ein Buch aus Frau Christines Leseliste auswählen vorbestellen. Bei der Ankunft liegt es dann auf dem Zimmer bereit. Ein kleiner digitaler Schritt führt so zu vielen analogen Stunden: am Pool, auf der Terrasse, im Garten oder am Abend im Zimmer.
Schauen statt scrollen
Nicht jede freie Minute muss gefüllt werden. Auch nicht mit Yoga, einer Behandlung oder einem guten Buch. Zu einem erholsamen Urlaub gehört ebenso die Freiheit, eine Weile gar nichts vorzuhaben.
Dann liegt man am Pool und beobachtet, wie das Licht auf dem Wasser glitzert. Wie jemand seine ersten vorsichtigen Bahnen zieht und ein anderer längst im gleichmäßigen Rhythmus schwimmt. Wie Gespräche beginnen und wieder verstummen. Aus einem Vormittag wird ein Nachmittag, ohne dass man jeden Übergang bemerken müsste.
Das ist Achtsamkeit in ihrer angenehmsten Form. Keine Aufgabe, die richtig ausgeführt werden muss. Nur Zeit, die nicht sofort weiterverwendet wird.
Echte Begegnungen brauchen keinen Empfang
Das schönste Gegenstück zur digitalen Dauervernetzung ist vielleicht nicht die Stille. Es sind Begegnungen mit Menschen, die gerade am selben Ort sind.
Im Hohenwart entstehen sie häufig nebenbei. Vielleicht kommt man bei einer Wanderung mit Hubert mit einem anderen Gast ins Gespräch. Unterwegs gibt es genug zu sehen und zu erzählen, Pausen ergeben sich von selbst. Beim nächsten Aufguss mit Roland erkennt man sich wieder und vielleicht verabredet man sich für das Zirkeltraining mit Stefan. Und schließlich bei der Weinverkostung mit Peter sitzt man nebeneinander und lacht über eine Geschichte, die am Morgen noch niemand kannte.
Geführte Wanderungen, Sportkurse, Aufgüsse und Verkostungen schaffen Orte für Begegnungen. Die Wanderung liefert erste Geschichten. Beim Sport wächst Vertrautheit. Bei einem Glas Wein bleibt Zeit, ein Gespräch weiterzuführen und vielleicht entsteht daraus sogar eine Freundschaft fürs Leben.
Digital können wir mit vielen Menschen gleichzeitig verbunden sein. Im Urlaub kann es wohltuend sein, wieder einem einzigen Menschen wirklich zuzuhören.
Wenn die Arbeit doch einmal mitreist
Vollständig unerreichbar zu sein, ist nicht für jeden Menschen und nicht zu jedem Zeitpunkt möglich. Manchmal muss eine E-Mail beantwortet, ein Dokument ausgedruckt oder für eine Stunde konzentriert gearbeitet werden. Das soll die Erholung nicht zunichtemachen.
Wer etwas erledigen muss, braucht dafür im Hohenwart weder den Frühstückstisch noch die Poolliege zum Büro zu erklären. Unser Gästebüro ist ruhig gelegen, großzügig und hell. Es verfügt über einen Desktop-PC, Tastatur, Maus, Dockingstation und Drucker und kann kostenlos an der Rezeption reserviert werden. Für den gewünschten Zeitraum erhalten Gäste dort einen eigenen Zugang.
So bekommt die Arbeit einen klaren Ort und eine begrenzte Zeit. Danach wird die Tür geschlossen. Der Laptop darf im Zimmer bleiben und der Urlaub wieder den größeren Teil des Tages einnehmen.
Vielleicht ist das die realistischste Form einer digitalen Auszeit: nicht so zu tun, als gäbe es keine Verpflichtungen, sondern selbst zu entscheiden, wann sie Aufmerksamkeit bekommen. Und wann nicht.
Ein Tag, der nicht dokumentiert werden musste
Am Abend liegt das Smartphone noch dort, wo man es am Morgen zurückgelassen hat. Die Nachrichten sind weiterhin da. Der Tag ist aber nicht verschwunden, nur weil er nicht fortlaufend fotografiert, geteilt und kommentiert wurde.
Geblieben sind das gute Gefühl nach der Bewegung, die Wärme der Sauna, einige Seiten einer Geschichte und das Lachen mit Menschen, die am Morgen noch Fremde waren. Vielleicht greift man jetzt zum Telefon. Vielleicht auch erst später.
Man hat nichts festgehalten. Und trotzdem bleibt erstaunlich viel.
Der Ort der bleibt.