Der Tappeinerweg in Meran: Zwischen Palmen und Berggipfeln

Nur wenige Gehminuten unterhalb des Hotels Hohenwart liegt eine der schönsten Höhenpromenaden Europas: der Tappeinerweg. Von hier aus blickt man auf die Jugendstilvillen und Wahrzeichen der Kurstadt Meran, während Palmen, Pinien und Zypressen die weite Aussicht ins Burggrafenamt umrahmen. Im Hintergrund hört man Kirchenglocken, und noch heute lässt sich erahnen, wie hier einst die gut betuchten Kurgäste der Belle Époque flanierten.

Auf rund vier Kilometern führt die nahezu ebene Promenade vom Stadtkern über die Hänge des Küchelbergs bis nach Gratsch. Der Weg verbindet einen erholsamen Spaziergang im Grünen mit der Geschichte und Kultur der Kurstadt. Zugleich führt er durch eine Pflanzenwelt, die stellenweise eher an den Süden als an einen Hang am Fuße der Alpen erinnert. Immer wieder laden Bänke dazu ein, eine Weile sitzen zu bleiben und den Blick über Meran schweifen zu lassen. Nirgends zeigt sich das unverkennbare Flair der mediterranen Kurstadt in den Alpen so schön wie hier.

Eine Flaniermeile, die ein Arzt seiner Stadt schenkte

 

Ihr Name erinnert an jenen Herrn, der den Weg gestiftet hat: den Vinschgauer Kurarzt, Botaniker und Anthropologen Franz Tappeiner, der um die Jahrhundertwende viel zu Merans Entwicklung zum angesehenen Kurort beitrug.

Mit seinen großzügigen Spenden ermöglichte er den Bau der Promenade, die ab 1893 in mehreren Abschnitten angelegt und in den folgenden Jahrzehnten erweitert wurde. Franz Tappeiner schenkte der Stadt damit eine Naherholungszone, die auch heute noch gerne genutzt wird.

Dass gerade ein Arzt und Botaniker hinter der Idee stand, erscheint unterwegs nur folgerichtig. Der Weg folgt nicht der kürzesten Verbindung von einem Punkt zum anderen. Er wurde zum Flanieren und Erholen geschaffen. Damals waren frische Luft, mildes Klima und maßvolle Bewegung eng mit Merans Ruf als wohltuende Kurstadt verbunden.

Palmen vor Dreitausendern

 

Der sonnenverwöhnte Hang und das milde Meraner Klima bieten Pflanzen einen Lebensraum, den man inmitten der Südtiroler Bergwelt nicht unbedingt erwarten würde. Mittelmeerzypressen und Pinien säumen den Weg, dazwischen wachsen Palmen, Agaven, Feigenkakteen, Magnolien und Olivenbäume. Einheimische Gehölze und die landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft des Meraner Beckens liegen nur wenige Schritte davon entfernt.

Gerade dieses Nebeneinander macht den Tappeinerweg aus. Im Vordergrund ragen Feigenkakteen aus dem trockenen Hang, dahinter erheben sich die schneebedeckten Berge der Texelgruppe. Sonnenbeschienene Abschnitte wechseln sich mit schattigen Stellen unter Bäumen ab. Dazwischen reicht der Blick weit über das Etschtal.

Und während die Pflanzen vom milden Süden erzählen, erinnern glatt geschliffene Felsen am Weg an eine sehr viel kältere Vergangenheit. Mächtige Gletscher haben hier ihre Spuren im harten Gestein hinterlassen.

Der Weg sieht deshalb nie ganz gleich aus. Im Frühjahr beginnt es zwischen den immergrünen Pflanzen zu blühen. Im Sommer findet man unter Pinien und anderen großen Bäumen wohltuenden Schatten. Im Herbst überblickt man das Tal mit seinen warmen Gelb- und Rottönen. Im Winter kommt man hierher, um Sonne zu tanken und die Wärme des milden Meraner Klimas zu genießen.

Sehenswürdigkeiten: Pulverturm, Kräutergarten und Belvedere

 

Am stadtseitigen Ende der Promenade steht der Pulverturm. Er gehörte ursprünglich zu einer mittelalterlichen Befestigungsanlage und erhielt seinen heutigen Namen, weil im 18. Jahrhundert Schießpulver darin gelagert wurde. Von seiner mit Zinnen versehenen Aussichtsplattform reicht der Blick weit über Meran und das Burggrafenamt.

Nicht weit davon entfernt liegt der öffentliche Kräutergarten. In seinen Beeten wachsen Heilpflanzen, Gewürzkräuter und aromatische Stauden. Er erinnert daran, dass der Mann, dem Meran seinen berühmten Höhenweg verdankt, neben seiner Tätigkeit als Arzt auch ein leidenschaftlicher Botaniker war.

An anderen Stellen führen Steinstufen zu den Mittelmeerterrassen hinauf. Der Duftgarten liegt etwas verborgen nur wenige Meter oberhalb des Hauptweges. Das Belvedere befindet sich auf einem markanten Felsvorsprung und bietet Panoramablicke über die Dächer der Meraner Altstadt, das Etschtal und das weite Burggrafenamt.

Von Promenadenwegen und Arkadengängen

 

Am Pulverturm muss der Spaziergang noch nicht enden. Über die Gilfpromenade führt der Weg hinunter zur Passer. Allmählich bekommt die offene Höhenpromenade ein städtischeres Gesicht.

Beim Steinernen Steg geht die Gilfpromenade in die Winterpromenade über. An ihrem sonnenzugewandten Ufer steht die Wandelhalle mit ihrem überdachten Arkadengang. Sie wurde bereits 1889 fertiggestellt und geht ebenfalls auf eine Initiative Franz Tappeiners zurück. Ihre Wandgemälde zeigen Südtiroler Landschaften und Ortschaften; ihre Bänke laden bis heute zum Lesen, Beobachten oder dazu ein, die Sonnenstrahlen an einem klaren Wintertag in sich aufzunehmen.

Wenige Schritte weiter ist man rund um die Postbrücke, das Kurhaus und die Kurpromenade wieder mitten im städtischen Leben: Cafés und Geschäfte säumen den Weg, Menschen flanieren entlang der Passer und ringsum herrscht reges Treiben.

So erzählt die erweiterte Promenadenroute nicht nur von Merans Natur. Sie führt zugleich durch jene Geschichte, die der Stadt ihre besondere Gestalt gegeben hat: vom grünen Höhenweg über die Spazierkultur des historischen Kurortes bis zu den Straßen und Plätzen des heutigen Meran.
 

Unser Hohenwart-Ausflugstipp

 

Einmal pro Woche bringt unser hoteleigener Wandershuttle die Gäste zur Töll. Dort beginnt ein besonders schöner Weg zurück in Richtung Meran: Der Algunder Waalweg führt entlang des alten Bewässerungskanals durch die Kulturlandschaft oberhalb des Meraner Beckens bis nach Gratsch. Nur wenige Schritte weiter beginnt der Tappeinerweg.

Von Gratsch folgt man der nahezu ebenen Höhenpromenade in Richtung Pulverturm. Über die Gilfpromenade geht es anschließend hinunter zum Steinernen Steg und entlang der Winterpromenade weiter bis ins Zentrum von Meran. So verbinden sich der Tappeinerweg und die übrigen Promenaden der Kurstadt zu einem ausgedehnten Spaziergang, für den man gut einen halben Tag einplanen kann.

Für den Abschluss des Spaziergangs hat Frau Christine noch eine persönliche Empfehlung: einen Aperitif im Café Darling an der Winterpromenade. Bei einem Glas Wein oder einem Veneziano lässt sich das Treiben entlang der Passer beobachten. Anschließend bringt die Linie 231 die Gäste von den zentral gelegenen Haltestellen Plankensteinstraße oder Therme wieder bequem hinauf nach Schenna. Mit dem Südtirol Guest Pass ist die Rückfahrt kostenfrei.

Der Ort der bleibt.