Von der Frühstückspension zum Familienbetrieb
Anfangs gab es 18 Betten, eine Etagendusche, die Zimmer mit fließendem Wassern, immerhin. Eine Übernachtung mit Frühstück kostete 800 Lire, umgerechnet etwa 40 Cent heute. Franz war „Mädchen für alles“ – er servierte, machte Kaffee, kümmerte sich um alles, immer in Tracht. Hilfe bekam er von seiner Cousine, die ganztägig beschäftigt war, und einer Frau aus dem Dorf, die halbtags mit anpackte, wo immer es nötig war. Bald folgte der erste Ausbau, dann der nächste.
Der Name Hohenwart war für Franz Mair Sen. eine Herzenssache – und eine Hommage an seine Mutter. Als junge Frau hatte sie in der Pension Hohenwart in Obermais gekocht, einem Haus, in dem sie sich sofort wohlgefühlt hatte. In der Faschistenzeit musste der deutsche Name weichen und wurde durch „Carolina“ ersetzt, doch in ihrer Erinnerung blieb Hohenwart immer ein Ort von Wärme und traditioneller Gastfreundschaft in Südtirol. Als Franz sein eigenes Haus baute, war für sie klar: Dieses Gefühl sollte hier in Schenna weiterleben – so wünschte sie sich den Namen auch für das neue Haus in Schenna.
Liebe, Kuchen und der Aufstieg eines Hauses
1960 kam die wichtigste Veränderung: Franz Mair Sen. heiratete Anna Hölzl, die Tochter des Schennerhofs im Dorf, die das Gastgewerbe von klein auf kannte - im elterlichen Haus hatte sie gelernt, mit Gästen umzugehen, zuzupacken und stets ein offenes Ohr zu haben. „Wie die Frau da gewesen ist, ist es schnell aufwärts gegangen, sie hat gekocht, ich serviert, dann haben wir das Café eröffnet“, erinnert sich Herr Mair Sen. Davon hatte er schon lange geträumt.
Mit Anna zog auch süßer Duft ins Haus: Bienenstich, Schwarzwälder, Apfelstrudel - dazu „Kaffee nach deutscher Art“, den Franz Mair Sen. servierte. Die junge Gastwirtstochter hatte ihr Handwerk in besten Häusern gelernt und in München ihre Konditoreikünste verfeinert. Herr Mair Sen. sagt rückblickend: „Mit Kuchen und Filterkaffee haben wir uns einen guten Namen geschaffen - und gute Einnahmen.“ Die Gäste kamen in Scharen hoch von Meran, und kamen wieder, nicht selten als Pensionsgäste.